Verlag „Die blaue Blume“

Verlag „Die blaue Blume“, Jungvölk. Verlag (1925–1926), Kukus a.E./Kuks

Verlag Die blaue Blume SignetZumal die Gemeinde Kukus/Kuks im Bezirk Trautenau/Trutnov in den Buchhandelsadressbüchern keine Erwähnung findet und der Ort heute nur etwas mehr als 200 Einwohner hat, muss man davon ausgehen, dass „Die blaue Blume“, Jungvölk. Verlag“ ein Fantasiename ist.[1] Neben der Anspielung auf Novalis liefert Karin Pohl indirekt eine mögliche Erklärung für den Zusatz „Jungvölkischer Buchverlag“. Zu der nach Stifter benannten Zeitschrift Witiko. Zeitschrift für Kunst und Dichtung schreibt sie: „Herausgeber waren Johannes Stauda und der Schriftsteller und Publizist Josef Mühlberger. Mühlberger wurde 1903 im ostböhmischen Trauenau als Sohn eines deutschnationalen Vaters und einer Tschechin geboren. Er wurde, wie viele seiner Generation, in der Jugendbewegung sozialisiert. Mühlberger gehörte der Bundesleitung des Jungvölkischen Bundes an, dessen Zeitschrift Ein’ feste Burg er zeitweise redigierte. 1926 führten die tschechoslowakischen Behörden, die gegen staatsfeindliche Aktionen des Jugendbundes vorgingen, bei Mühlberger eine Hausdurchsuchung durch. Dies war – so Michael Berger – für Mühlberger ein tiefer Einschnitt, der dazu führte, daß sich Mühlberger von den radikalen völkischen Kreisen distanzierte.“[2] Zu diesen Kreisen zählte Wilhelm Pleyer, der 1924 ein Heftchen mit dem Titel Aus der Spassvogelschau im Selbstverlag in Prag bzw. im Verlag des Jungvölkischen Bundes in Reichenberg, dessen Mitglied Mühlberger seit 1923 war, veröffentlichte. Mühlberger publizierte übrigens 1924 eine Abhandlung über Kukus in der Schriftenreihe Sudetendeutsche Heimatgaue (erschienen bei Kraus in Reichenberg).

Es konnten vier Publikationen, davon zwei von Mühlberger, nachgewiesen werden:

  • Leutelt, Gustav: Der Einzieher. Eine Erzählung aus dem Isergebirge. Kukus a.E.: „Die blaue Blume“, 1925. [Braunau i. B.: Ostböhmische Druckerei].
  • Mühlberger, Josef: Die Teufelsbibel. Eine Legende. Mit Federzeichnungen von Erich Proksch. Kukus a.E.: „Die blaue Blume“, Jungvölk. Verlag (1925).Mühlberger Das schwarze Buch Cover
  • Mühlberger, Josef: Das schwarze Buch. Erster Teil der Balladen vom Reitergeneral Sporck. Kukus a.E.: Im Verlage „Die blaue Blume“, 1925. Impressum: Alle Rechte vorbehalten! / Für Amerika: Copyright 1925 by „Die blaue Blume“, Jungvölk. Buchverlag, Kukus a.E. 25 gezählte Stück dieses Buches wurden auf bestem Papier abgezogen, in Edeleinbände gelegt und vom Verfasser gezeichnet. Die Linolschnitte schuf E. [Erich] Proksch [† 2003], Trautenau. Den Druck besorgten die Gebrüder Stiepel Ges.m.b.H., Reichenberg. Sie stellten auch die Edeleinbände her.
  • Watzlik, Hans: Nordlicht. Eine nordische Sage. Buchschmuck von Herbert Wessely. [Kukus a. Elbe] : Die blaue Blume, 1926. [Druck von Gebr. Stiepel].


Anmerkungen

[1] Erwähnung findet dieser Verlag in der biographischen Skizze von Jürgen Born: Josef Mühlbergers literarisches Wirken bis zum Ende des Witiko. In: Josef Mühlberger. Beiträge des Münchner Kolloquiums. Hrsg. von Peter Becher. München: Sudetendt. Archiv, 1989, S. 9–17, hier S. 9–11.

[2] Karin Pohl: Adalbert Stifter – ein sudetendeutscher Heimatdichter? Zur politischen Instrumentalisierung eines Schriftstellers. In: Stifter Jahrbuch. Neue Folge 22/2008, S. 69–100, hier S. 80. Zum Verschwinden der Zeitschrift siehe Christian Jacques: Über die Erfindung des Sudetendeutschtums: Johannes Stauda, ein sudetendeutscher Verleger. In: Hans Henning Hahn (Hrsg.): Hundert Jahre sudetendeutsche Geschichte. Eine völkische Bewegung in drei Staaten. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2007, S. 193–206.