Schulverlagsanstalt für Böhmen und Mähren

Schulverlagsanstalt für Böhmen und Mähren in Prag

WÄHREND DER REGIERUNG MARIA THERESIAS wurden die Grundlagen zu einer ausgedehnten Schulreform gelegt. Über Anregung einiger aufgeklärter Männer dieser Zeit, besonders des Leibarztes der Kaiserin, Gerard van Swietens, der später Vorsitzender des obersten Reform-Organs, der k.k. Studienkommission war, wurde mit Unterstützung des Staates eine Neuorganisation des gesamten Schulwesens durchgeführt. Im Jahre 1774 hatte Maria Theresia den Abt Johann Ignaz Felbiger aus Sagan nach Wien berufen. Dieser Mann organisierte das Elementarschulwesen in der Praxis, wobei er die Methode des Berliner Pädagogen Hähn benützte, der ein ausgezeichneter Kenner von Johann Amos Comenius war.

Es wurden Schulen gegründet, neue Gebäude errichtet, entsprechende Lehrmittel beschafft und der obligatorische Schulbesuch angeordnet. Auch für die Herausgabe und den Druck von Lehr- und Schulbüchern wurde gesorgt.

Mit Dekret der Hofkanzlei vom 26. Mai 1770 wurde für das gesamte niederösterreichische Schulwesen eine besondere Landeskommission für Schulangelegenheiten — die Studienschulkommission — errichtet; über deren Antrag wurde im Jahre 1771 die erste Normal-(Muster-) Schule in Wien gegründet (eine Elementarschule, Lehrerbildungsanstalt und ein Schulbücherverlag). Für die Erhaltung dieser Schule sorgte der „Schulfond“ — („Studienfond“). Mit Entscheidung vom 13. Juni 1772 wurde der erwähnten Kommission das ,,privilegium impressorium privativum“ erteilt, nach welchem die Kommission die Berechtigung erhielt, Schulbücher, Lehrbehelfe und Bücher religiösen, moralischen und pädagogischen Inhalts für sämtliche österreichischen Erbländer zu drucken, herauszugeben und zu verkaufen. So entstand eine Druck- und Verlagsanstalt als Institut und Unternehmen der erwähnten Normalschule; sie nannte sich „Verlag der deutschen Schulanstalt“. Der Verkaufserlös der verkauften Bücher fiel dem Schulfond zu, dem auch das Vermögen des aufgehobenen Jesuitenordens (im Jahre 1773) zugeteilt wurde.

Das Schulwesen in unseren Ländern wurde nach der sogenannten Theresianischen Schulordnung aufgebaut – „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämtlichen kays. königl. Erblanden“, — die im Jahre 1774 von dem Abt Johann Ignaz Felbiger ausgearbeitet worden war.

Die Schulkommission für Böhmen wurde im Jahre 1775 errichtet. Der Schulfond existierte hier bereits seit dem Jahre 1773 (Schulkassa). Die Mitglieder der Kommission waren: Karl Graf von Klary und Aldringen, Gubernialrat, als Vorsitzender der Kommission, Josef Matthias Ritter von Smitmer, Königlicher Rat und Assessor beim Landesgubernium, Josef Duchet, Gubernial-Sekretär, Johann Andreas Kaiser, Weihbischof und General-Vikar, Bevollmächtigter des fürst-erzbischöflichen Ordinariats, Pögel von Briet „Gubernial-Raitrath“ (Gubernialrechnungsrat) und A. Schindler, Direktor der Normalschule in Prag, die am 15. November 1775 eröffnet worden war. Zum Oberaufseher über alle deutschen Schulen in Böhmen und zum Referenten der Schulkommission wurde der Kaplitzer Propst Ferdinand Kindermann ernannt, der später den Beinamen „Ritter von Schulstein“ erhielt.

In Mähren wurde die erste Normalschule im April 1775 in Brünn eröffnet. Die Mitglieder der mährischen Schulkommission waren: Der Landeshauptmann Graf Blümegen, die Gubernialräte Graf Mitrovský, Graf Salm und Franz Beer, das Mitglied des Obersten- und Appellationsgerichtes K. Marquis de Ville, der spätere Direktor der Gymnasial-, Normal- und Hauptschulen in Mähren, ferner der Gubernialsekretär. Martin Schostal und der Direktor der Normalschule Ignaz Mehoffer, der spätere Oberaufseher der Volksschulen.

Schulverlag Lesebuch 1775Da die Wiener Schulkommission allein nicht imstande war, die erforderlichen Schulbücher und Lehrbehelfe herzustellen und alle Schulen in den österreichischen Erbländern damit zu beliefern, wurde allen Schulkommissionen das „privilegium impressorium“, d.h. das Recht, Schulbücher zu drucken, bewilligt. Es bezog sich jedoch nur auf die Trivial-Gegenstände, während die Herausgabe von Schulbüchern für die höheren Gegenstände auch weiterhin der Wiener Schulkommission vorbehalten blieb. Das Privilegium wurde mit Hofkanzlei-Dekret vom 10. Juni 1776 erteilt. Es enthält eine Aufzählung der Schulbücher und Behelfe, auf die sich das Privilegium bezieht sowie die Anordnung, daß fünf Exemplare eines jeden erschienenen Buches in Wien zur Kontrolle vorgelegt werden mußten. Die von den Kommissionen herausgegebenen Bücher mußten mit den von der Wiener Kommission herausgegebenen Büchern vollkommen übereinstimmen. Jedes Exemplar eines neuerschienenen Buches mußte nach dem Dekret mit dem Stempel des Schuldirektors der (Normal-)Schule versehen sein. Das Dekret regelte auch den Abschluß der Verträge mit den Buchdruckern in der Weise, dass von je 1000 Exemplaren 250 Exemplare umsonst für unbemittelte Schulkinder abgeführt werden mußten. Die Prager Schulkommission rief in Ausnützung des ihr gewährten Privilegiums eine Druck- und Verlagsanstalt für Schulbücher in Böhmen (Prager Schulbücher-Verlag, bzw. Normalschul-Buchdruckerei) ins Leben, die später ein selbständiges, öffentliches, von der Staatsverwaltung kontrolliertes Verlagsunternehmen wurde, das heute den Namen Schulverlagsanstalt für Böhmen und Mähren trägt.

Die Schulbücher und Lehrbehelfe, die von der Prager Schulkommission (K. k. Normalschulenoberdirektion in Böhmen) herausgegeben wurden, trugen das Impressum: „Prag, im Verlag der k. k. Normalschule“, bzw. „W Praze, Nákladem cýs. král. prawidelnj sskoly.“ Sie wurden anfangs in der Druckerei des Johann Schönfeld in Prag gedruckt. Das Lager der Schulbücher verwaltete in dieser Zeit der Direktor der Normalschule Amand Schindler.

Da die Schönfeldsche Druckerei bald nicht mehr entsprach, machte die Schulkommission durch Vermittlung des Prager Landesguberniums in Wien den Vorschlag, die Jesuitendruckerei, auch akademische Druckerei genannt, die im Klementinum im Hause, Konskriptionsnummer 190-I in der Jesuitengasse (jetzt Karlsgasse), untergebracht war, dem Schulfond zu übergeben. Der Vorschlag wurde genehmigt und die Druckerei durch die Schenkungsurkunde Maria Theresias vom 25. Mai 1776 der Schulkommission, und zwar für Zwecke des Schulfondes in Böhmen, übergeben. Die Schenkungsurkunde enthielt die Weisung, den entsprechenden Reingewinn des Schulfondes zur Unterstützung der Landschulen, also für das allgemeine Wohl, zu verwenden. Der Schulfond gliederte die Druckerei dem Bücherlager an, dessen internen Verwaltungsgang ein „Ökonomiefaktor“ führte. Ein Druckereifaktor besorgte den Druckereibetrieb. Mit der Aufsicht über die Druckerei beauftragte die Schulkommission den Gymnasialdirektor Karl Heinrich Seibt. Das Impressum der Erzeugnisse dieses Verlages lautete damals „Prag, im Verlag der k. k. Normalschulbuchdruckerey“, mit dem Zusatz „Gedruckt durch Johann Adam Hagen; Faktor“, „W Praze, Nákladem c.k. prawidelnj sskolské, Knĕhotiskárny“, mit dem Zusatz „Wytištĕno skrze Jana Adama Hagen, Faktora“, und zwar bei Schulbüchern für Trivialschulen, bei Lehrbehelfen für Lehrer und Erzieher, bei Instruktionen für Schulaufsichtsorgane, bei Tabellen und der Publikation von Schulgesetzen; bei sonstigen Publikationen religiösen, volkswirtschaftlichen und allgemein kulturellen Inhalts; „Prag, mit Schriften der k. k. Normalschule“, „W Praze, pjsmem cýs. král. Normálnej školy“.

Die dem Institut gewidmete Druckerei war ein Teil einer älteren Druckerei, die um das Jahr 1530 von Bárta Netolichý (Bartholomaus von Nettolitz) auf der Prager Kleinseite gegründet worden war. Im Jahre 1552 kaufte Georg Melantrich diese Druckerei und übersiedelte sie nach zehn Jahren in die Prager Altstadt in die Kuneschgasse, die heutige Melantrichgasse. Im Jahre 1586 übernahm die Leitung dieser Druckerei Daniel Adam von Weleslawin, ihm folgte dann im Jahre 1613 Samuel Adam von Weleslawin, der im Jahre 1621 aus Böhmen auswanderte. Die Druckerei wurde Eigentum der Jesuiten, die sechs von neun Druckpressen und den größten Teil des Inventars behielten und damit in ihr neues Gebäude ins Klementinum übersiedelten. In der Zeit nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 bis zur Zuteilung der Klementinum-Druckerei an die Prager Schulkommission, am 18. Oktober 1776, haben die Erzeugnisse dieser Druckerei ein uneinheitliches Impressum: „Pjsmem cysařo-kralowským v Sw. Klimenta, za Jana Adama Hagen Faktora“ — „Mit kais. königl. Schriften bey St. Klemens“ oder „Gedruckt mit Klementinischen Schriften durch Johann Adam Hagen, Faktor“.

Als die Jesuitendruckerei der Prager Schulkommission übergeben wurde, leitete das Lager der jesuitischen Bücher und die Druckerei ein gewisser Elssenwanger, Faktor der Druckerei war Johann Hagen; beide wurden nun der Schulkommission unterstellt. Die nach den Jesuiten verbliebenen Büchervorräte (lateinische, griechische, deutsche, tschechische und französische) wurden später in einer Auktion verkauft und das Lager füllte sich mit neuen Büchern.

Die Herausgebertätigkeit der Prager Schulkommission beschränkte sich anfangs auf den Nachdruck der in Wien herausgegebenen Schulschriften. Mit allerhöchstem Patent vom 16. August 1777 erhielt die Kommission ein eigenes „privilegium impressorium privativum“, das heißt das Sonderrecht zum Druck einer Handbibel in tschechischer und deutscher Sprache, wie auch zum Druck römisch-katholischer Lehrbücher für das Volk, die ins Tschechische übersetzt werden sollten. Derartige Bücher durfte bei Strafe niemand in den österreichischen Erbländern drucken, einführen, oder in den Handel bringen, sei es nun in der gleichen oder in einer anderen Form.

Schulverlag Methodenbuch deutsch 1777Schulverlag Methodenbuch tschechisch 1777Die Zahl der Schulbücher und anderen Lehrbehelfe, die um diese Zeit herausgegeben wurden, war für die damaligen Verhältnisse bedeutend. Bis zum Jahre 1790 wurden über 160 Publikationen herausgegeben. Es handelte sich vor allem um Alphabetstafeln und Fibeln, Lesebücher, Rechenbücher, Katechismen, Evangelien, biblische Geschichten, Schulregeln, Hilfsbücher für Lehrer und Erzieher, Vorschläge für Schulaufseher, Schulgesetze und Schulblankette, ungerechnet verschiedene andere Schriften in tschechischer, deutscher, lateinischer und griechischer Sprache. Hier ist besonders die erste Methodik für Lehrer anzuführen, das bekannte „Methodenbuch für Lehrer der deutschen Schulen in den kaiserlich-königlichen Erbländern“, das gleichzeitig auch tschechisch mit dem Titel „Kniha methodnj pro Včitelé českých Sskol w cýšarských králowských Zemjch“ erschien. Die Herausgabe und die Übersetzung dieses Buches ins Tschechische wurde der Schulkommission mit einem besonderen Hofdekret vom 18. Mai 1776 bewilligt. Von den Schriften verschiedenen Inhalts verdient die Herausgabe der tschechischen Bibel in der Übersetzung von Fortunát Durych und Faustin Procházka Erwähnung.

Das „privilegium impressorium privativum“ für die Normalschulanstalt in Böhmen wurde von Kaiser Josef II. mit Hofdekret vom 4. Januar 1782 bestätigt. Mit Entschließung vom 12. Februar 1784 wurde die Schulkommission aufgehoben und ihre Aufgabe der „Oberschulaufsicht“ übertragen. die einen Bestandteil der Kompetenz der politischen Landesämter bildete; ihr war auch der Druck von Schulbüchern als erster Instanz, dem böhmischen Gubernium als höherer Instanz unterstellt. An die Spitze der Schuloberaufsicht wurde der Propst Ferdinand Kindermann von Schulstein gestellt. Die Verwaltung des Verlages trug den amtlichen Titel „K. Ökonomiefaktorie des Normalschulbücherverlages“, oder wie man auch schrieb „K. Normalschulbücherverlagsoekonomiefaktorie“. Bei einigen Publikationen nach dem Jahre 1800 sind die Verlagsimpressa in folgendem Wortlaut angeführt: „Prag, in der k.k. Normalschulbuchhandlung“ oder „Prag, im Verlagsgewölbe des Normalschul-Bücherverschleißes“, „W Praze, w cýs. král. skladu knih školnjch“. Diese Bezeichnung tragen auch einige Bücher, die nach dem Jahre 1824 herausgegeben wurden, obwohl dem Verlag mit Entscheidung vom 22. Juni 1824 (Hofdekret der Studienkommission vom 22. Juni 1824, Z. 4179) die-Bezeichnung; „K.k. Normalschulbücher – Verschleiß – Verwaltung“, „C. kr. správa skladu c. kr. normálních školních knížek“ gegeben worden war. So nannte sich das Institut bis zum Jahre 1836; dann wurde es mit Verordnung des k.k. Unterrichtsministeriums vom 11. August 1858, Z. 10.067 „K.k. Normalschulbücher – Verlage-Verwaltung für Böhmen“, „Cís. kr. správa školního knĕhoskladu v Čechách“, benannt. Die Verwaltung wurde dann direkt der Böhmischen Statthalterei unterstellt.

Als im Jahre 1869 nach dem Reichsgesetz Zahl 62/1869 die Schulfonds in die Verwaltung der Länder übergingen, wurde der Prager „Buchverlag“ dem neuerrichteten Prager Landesschulrat als erster Instanz und dem Ministerium für Kultus und Unterricht als höherer Instanz unterstellt. In den Jahren 1871–1875 hörte der Prager Landeschulrat auf, ein Verbindungsamt zu sein und die Verwaltung des Buchverlages wurde direkt dem erwähnten Ministerium unterstellt. Die Wirtschaftskontrolle und die Einflußnahme auf die Personalangelegenheiten wurden der Prager Statthalterei anvertraut. In dieser Zeit befand sich die gesamte Anstalt in dem eigenen Gebäude in der Konviktsgasse, Konskriptionsnummer 292-I. Dorthin war auch die dazugehörige Druckerei übersiedelt, die seit dem Jahre 1783 in einem Teil des Hauses Konskriptionsnummer 293-I untergebracht worden war, das heißt in einem Teil des aufgehobenen Jesuitenkonvikts zum Heiligen Bartholomäus in der Konviktsgasse der Prager Altstadt. Das Haus Konskriptionsnummer 292-I wurde für den Buchverlag auf Grund einer allerhöchsten Entschließung vom 20. April 1871 gekauft.

Mit Entschließung vom 29. Juli 1887 war in Wien die Zentraldirektion der k.k. Schulbücherverlage errichtet und dem Ministerium für Kultus und Unterricht unterstellt worden. Der Zentraldirektion unterstanden die zwei damals existierenden Buchverlage, der Wiener und der Prager. Das Ministerium behielt sich eine bestimmte Kompetenz in pädagogischen, persönlichen und Verwaltungsfragen vor.

Im Jahre 1898 kaufte der Prager Buchverlag das Haus „Zum goldenen Fäßchen“ (Konskriptionsnummer 126-II) in der Inselgasse (früher Smetanagasse) in der Prager Neustadt. Dieses Haus wurde eingerissen und an seiner Stelle ein Gebäude für das ganze Unternehmen errichtet. Darin befindet es sich auch heute noch, doch wurde das Gebäude bedeutend erweitert, denn später, am 23. April 1911 und am 2. November 1914 wurden zwei weitere Nachbarhäuser (die Konskriptionsnummern 154-II und 155-II) in der benachbarten Opatowitzer Gasse gekauft; auch diese sind jüngst umgebaut worden. Im Jahre 1918 wurde der Prager Buchverlag als staatliches Betriebsunternehmen von Fondscharakter, das nicht auf Erwerb eingestellt, sondern gemeinnützig ist, direkt der Oberverwaltung des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur unterstellt. Unter die von der Regierungsverordnung vom 25. September 1924 (Sammlung der Gesetze und Verordnungen, Zahl 103) als staatliche Erwerbsunternehmen bezeichneten Betriebe gehörte die Anstalt nicht. Mit Erlaß vom 29. Juli 1919, Zahl 13.510 gab das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur der Anstalt die Bezeichnung „Státní školní knihoslad“ („Staatlicher Schulbücherverlag“), mit Erlaß vom 14. Juni 1920, Z. 27.819 jedoch den Titel „Státni nakladatelství“ („Staatsverlag“).

Staatliche Verlagsanstalt Anzeige

Mit der Änderung der Bezeichnung änderte sich jedoch nichts an dem ideellen, rechtlichen und wirtschaftlichen Charakter der Anstalt, deren Tätigkeit bedeutend erweitert wurde. Der Staatsverlag errichtete Filialen in Brünn und Preßburg und gab Schriften für die Schulen aller Unterrichtssprachen im damaligen Staate heraus. Es wurden demnach Lehrbücher, verschiedene Schriften und Drucksorten nicht nur in tschechischer und deutscher, sondern auch in slowakischer, karpatorussischer, ungarischer, polnischer, rumänischer und hebräischer Sprache herausgegeben. Seit 1939 hat die Anstalt die jetzige Bezeichnung „Schulverlagsanstalt für Böhmen und Mähren in Prag“.

Die direkte Leitung der Anstalt oblag den hiefür bestimmten Funktionären. Da ihre Kompetenzen offenbar vom Anfang an nicht immer genau abgegrenzt waren, ent­steht manchmal der Eindruck, als ob in ein und derselben Zeit zwei Funktionäre die Anstalt geleitet hätten. Tatsächlich handelt es sich jedoch sowohl um eine direkte Verwaltung als auch um eine solche, die sich aus der Wirksamkeit der Schulkommission oder der Schuloberaufsicht ergab.

Aus der folgenden Übersicht erkennt man, wann diese Duplizität der Verwaltung eintrat. In späterer Zeit (seit 1824) wird die Anstalt von Vorständen im jetzigen Sinne verwaltet. Ihre Namen sind so angeführt, wie sie in den Urkunden festgestellt werden konnten.

1775 SCHINDLER AMAND, Direktor der Normalschule in Prag, verwaltete das Lager der Schulbücher

1776 SEIBT KARL HEINRICH, Gymnasialdirektor in Prag, Professor an der Prager Universität, Kaiserlicher Rat, mit der Aufsicht über die Normalschulbuchdruckerei beauftragt

1775-1801 KINDERMANN FERDINAND, Ritter von Schulstein, ehemaliger Pfarrer in Kaplitz, Dechant zu Allen Heiligen in Prag, Bischof zu Leitmeritz, Schulenoberaufseher

1776-1784 ELSSENWANGER ANTON, ehemalige Jesuiten-Buchbinder, Öconomischer Factor

1784-1785 WEICHENHEIM JOSEF LEOPOLD, Öconomie Factor

1801-1808 LENHARD WENZEL, Domscholaster, Schulenoberaufseher

1786-1818 TOMSA FRANTIŠEK JAN, Amtskorrektor und Translator, Ökonomiefaktor, Verwalter des Schulbücher-VerIages, Schriftsteller, Redaktor

1808-1823 CAROLI FRANZ, Direktor der Prager Hauptmusterschule, Schulenoberaufseher

1814-1830 MINNICH JOHANN, Beamter der Staats-Rechnungskanzlei, Verwalter des Schulbücher-Verlages

1830-1846 HANKE FRIEDRICH, Oberbeamter des Taxamtes, Verwalter des Schulbücher-Verlages

1847-1861 VON NEUKIRCHEN JOHANN, Ober-Dikasterialschreiber, Buchhalter. Verwalter des Schulbücher-Verlages

1861-1866 ZAHRÁDKA ADOLF, Kontrollor, Verwalter des Schulbücher-Verlages

1866-1867 SLAVIK FRANTIŠEK, Kontrollor, provisorischer Verwalter des Schulbücher-Verlages

1867-1868 SCHMITT` KARL, K. k. Statthalterei-Rechnungsoffizial, mit der Vertretung der Schulbücher-Verlags-Verwaltung beauftragt

1868-1876 BIELOHAUBEK JOHANN, Kassier der k.k. Stiftinsgs- und Fondskasse, k.k. Schulbücher-Verlags-Verwalter

1876-1897 ŠAFAŘIK VLADISLAV, Official des k.k. Schulbücher-Verlages in Wien, Verwalter, später Direktor des k.k. Schulbücher-Verlages in Prag

1897-1904 KUX ALOIS, Oberamtsofficial des k. k. Schulbücher-Verlages in Wien, Direktor des k.k. Schulbücher-Verlages in Prag

1905-1908 MALEC KAREL, Direktionsadjunkt, Direktor des k.k. Schulbücher-Verlages in Prag

1908-1918 WINDT BERTHOLD, Kaiserlicher Rat im Wiener Schulbücher-Verlage, Direktor des k.k. Schulbücher-Verlages in Prag, Regierungsrat

1918–1920 JIREČEK BOHUSLAV, Direktionsadjunkt des Schulbücher-Verlages, mit der Leitung der Anstalt betraut

BRABEC JAN, Kassier des Schulbücher-Verlages, mit der Leitung der Anstalt betraut 

1921–1926 JIREČEK BOHUSLAV, Direktor der Staatlichen Verlagsanstalt, mit der Leitung der Anstalt als Direktorium betraut

SLOVAK EDUARD, Druckereidirektor der Staatlichen Verlagsanstalt, mit der Leitung der Anstalt als Direktorium betraut

KOŽIŠEK JOSEF, Leiter der literarisch-pädagogischen Abteilung der Staatlichen Verlagsanstalt, mit der Leitung der Anstalt als Direktorium betraut 

DR. MATOUS-MALBOHAN FRANTIŠEK, Zentraldirektor der Staatlichen Verlagsanstalt, Leitung der drei Direktoren19291926–1928 KEPL JOSEF, Sektionsrat des Ministeriums für Schulwesen u. Volkskultur, mit der Leitung der Staatlichen Verlagsanstalt beauftragt

KEPL JOSEF, Direktor der Geschäftssektion der Staatlichen Verlagsanstalt, Leitung der drei Direktoren

Dr. FOLPRECHT JOSEF, Direktor der literarischen Sektion der Staatlichen Verlagsanstalt, Leitung der drei Direktoren

1930–1942 KEPL JOSEF, Regierungsrat, Vorstand der Staatlichen Verlagsanstalt, später der Schulverlagsanstalt für Böhmen und Mähren

1942 RUDL FRIEDRICH, Generaldirektor, mit der Leitung und Geschäftsführung der Schulverlagsanstalt für Böhmen und Mähren betraut

In: Kurzer Abriß der Geschichte der Schulverlagsanstalt für Böhmen und Mähren in Prag. Herausgegeben im Jahre 1944. Zusammengestellt von der Schulverlagsanstalt. Gedruckt in 100 Exemplaren als Privatdruck in der eigenen Druckerei.


Aus der Verlagsproduktion

Deutsche Lektüre:

  • Fischer, Otokar: Einführung in Goethes Faust. V Praze: Státní nakladatelství, 1929. (Deutsche Lekture, Bd. 1) Hrsg. von H. Siebenschein.
  • Storm, Theodor: Pole Poppenspäler. Novelle. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Jaroslav Vlašimský. V Praze: Státní nakladatelství, 1929. (Deutsche Lekture, Bd. 2)
  • Hebel, Joh. Peter: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. Auswahl, Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Ota Lederer. V Praze: Státní nakladatelství, 1929. (Deutsche Lektüre; Bd. 3) Sbírka německé četby pro školy a širší veřejnost. Hrsg. von Hugo Siebenschein. 2. Aufl. ebda, 1935.
  • Keller, Gottfried: Die drei gerechten Kammacher. Novelle. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Richard Messer. Praha: Státní nakladatelství, 1930 (Tiskárna Státního nakladatelství). (Deutsche Lektüre; Bd. 4)
  • Stifter, Adalbert: Bergkristall. Novelle. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Karel Polák. V Praze: Státní nakladatelství, 1931 (Deutsche Lektüre; Bd. 5)
  • Eisner, Paul: Landsleute: Deutsche Prosa aus der Čechoslowakei von Adalbert Stifter bis Franz Werfel. Auswahl und Einleitung von Paul Eisner. Anmerkungen und Wörterbuch von Ota Lederer. V Praze: Státní nakladatelství, 1930. (Deutsche Lektüre. Sbírka německé četby pro školy a širší veřejnost; Bd. 6)
  • Meyer, Conrad Ferdinand: Gustav Adolfs Page. Novelle. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Ota Lederer u. Richard Messer. Prag: Státní nakladatelství, 1930. (Deutsche Lektüre, Bd. 7).
  • Wassermann, Jakob: Zwei Erzählungen. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Jaroslav Vlašimský. V Praze: Státní nakladatelství, 1930. (Deutsche Lektüre, Bd. 8)
  • Janko, Josef: Germanische Heldensagen. Wörterbuch. Eingeleitet und nacherzählt von Josef Janko. V Praze: Státní nakladatelství, 1930. (Deutsche Lektüre; Bd. 9). 2., verbesserte Auflage 1935, 3. Auflage 1936.
  • Augustin, Hans: Buntes Leben. Lesebuch zur Übung der deutschen Umgangssprache. Einleitung, Anmerkungen, Wörterbuch. V Praze: Státní nakladatelství, 1930. (Deutsche Lektüre; Bd. 10).
  • Ebner-Eschenbach, Marie von: Auswahl. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Jan Krejčí. V Praze: Státní nakladatelství, 1931. (Deutsche Lektüre : sbírka německé četby pro školy a širší veřejnost; Bd. 11) Rediguje Hugo Siebenschein. 2., unveränderte Auflage, 1936.
  • Siebenschein, Hugo: Maturitätstexte. Auswahl und Anmerkungen von Hugo Siebenschein. V Praze: Státní nakladatelství, 1931. (Deutsche Lektüre, Bd. 12)
  • Band 13 offenkundig nicht erschienen.
  • Goethe und Schiller: Balladen, in Auswahl erläutert von Otokar Fischer. Text, Anmkerungen, Wörterbuch. V Praze: Státní nakladatelství, 1931. (Deutsche Lektüre: sbírka německé četby pro školy a širší veřejnost; Bd. 14.)
  • Ludwig, Otto: Der Erbförster. Trauerspiel. Einleitung, Anmerkung und Wörterbuch von Jaroslav Vlašimský. V Praze: Státní nakladatelství, 1930. (Deutsche Lektüre: sbírka německé četby pro školy a širší veřejnost; Bd. 15)
  • Pick, Otto: Deutsche Lyrik aus der Čechoslowakei. Auswahl mit Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von O. Lederer. Praze: Státní nakladatelství, 1931 (Deutsche Lektüre, Bd. 16).
  • Kleist, Heinrich von: Die Verlobung in St. Domingo und andere Prosa. Anmerkungen und Wörterbuch von Jaroslav Nosil. Auswahl und Einleitung von Hugo Siebenschein. V Praze: Státní nakladatelství, 1933. (Deutsche Lektüre; Bd. 17)
  • Hesse, Hermann: Bilderbuch. Einleitung, Anmerkungen, Wörterbuch von Paul Eisner. V Praze: Státní nakladatelství, 1933. (Deutsche Lektüre; Bd. 18)
  • Eisner, Pavel: Prag in der deutschen Dichtung. Eine Anthologie. Text – Anmerkungen – Wörterbuch. V Praze: Státní nakladatelství, 1932. (Deutsche Lektüre; Bd. 19)
  • Goethes Egmont. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Otokar Fischer. V Praze: Státní nakladatelství, 1931. (Deutsche Lektüre: sbírka německé četby pro školy a širší veřejnost; Bd. 20)
  • Rehberger, Jan: Die Welt des Kaufmannes. Eine Auswahl von Lesestücken aus seinem Leben. Einleitung, Anmerkungen, Wörterbuch von J. Rehberger. V Praze: Státní nakladatelství, 1933. (Deutsche Lektüre; Bd. 21)
  • Romantische Stoffe des deutschen Mittelalters. Wörterbuch eingeleitet und nacherzählt von Josef Janko. V Praze: Státní nakladatelství, 1932. (Deutsche Lektüre: sbírka německé četby pro školy a širší veřejnost; Bd. 22) Rediguje Hugo Siebenschein. 2. Auflage 1936.
  • Eichendorff, Joseph von: Aus dem Leben eines Taugenichts. Einleitung, Anmerkungen, Wörterbuch von Karel Polák. V Praze: Státní nakladatelství, 1935. (Deutsche Lektüre ; Bd. 23)
  • Donath, Oskar: Die Zeitung im Querschnitt. Hilfsbuch der deutschen Konversation /Textauswahl von O. Donath. Anmerkungen und Wörterbuch von K. Polák. Einleitungen und Nachwort von H. Siebenschein. Praha: Státní nakladatelství, 1934. (Deutsche Lektüre; Bd. 24)
  • Mann, Thomas: Tonio Kröger. Novelle. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Jaroslav Vlašimský. V Praze: Státní nakladatelství, 1932. (Deutsche Lektüre; Bd. 25)
  • Siebenschein, Hugo: Deutsches Leben in Gesprächen. [I], Der Alltag. Handbuch der deutschen Konversation. Anmerkungen und Wörterbuch von O[ta] Lederer. 2., verbesserte Aufl. V Praze: Státní nakladatelství, 1937. (Deutsche Lektüre; Bd. 26)
  • Schiller, Friedrich: Wallenstein. Einleitung, Auswahl der Proben, Charakteristik und Nacherzählung des Textes von Richard Messer. Anmerkungen, Nachwort und Wörterbuch von Ota Lederer. V Praze: Státní nakladatelství, 1935. (Deutsche Lektüre; Bd. 27)
  • Chamisso, Adelbert von: Peter Schlemihls wundersame Geschichte. Mitgeteilt von Adalbert von Chamisso. Einleitung, Anmerkungen, Wörterbuch von Adolf Ambrož. V Praze: Státní nakladatelství, 1937. (Deutsche Lektüre; Bd. 28)
  • Hebbel, Friedrich: Agnes Bernauer. Ein deutsches Trauerspiel in fünf Aufzügen. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von Jan Krejčí. V Praze: Státní nakladatelství, 1934. (Deutsche Lektüre; Bd. 29)
  • Band 30 offenkundig nicht erschienen.
  • Schiller, Friedrich von: Wilhelm Tell. Ein Schauspiel. Einleitung, Anmerkungen und Wörterbuch von J[ohann] Rehberger. Schillers Beziehungen zur čechischen Literatur von K[arel] Polák. V Praze: Státní nakladatelství, 1937. (Deutsche Lektüre; Bd. 31)
  • Autrata, František: Reiseerlebnisse in Nordwestböhmen. Konversationsstunden : Begleitwort, Anmerkungen, Wörterbuch Fr. Autrata. V Praze: Státní nakladatelství, 1936. (Deutsche Lektüre; Bd. 32).
  • Band 33 offenkundig nicht erschienen.
  • Band 34 offenkundig nicht erschienen.
  • Siebenschein, Hugo: Deutsches Leben in Gesprächen. Zeitspiegel/Handbuch der deutschen Konversation von Hugo Siebenschein. Anmerkungen und Wörterbuch von O. Lederer. V Praze: Státní nakladatelství, 1933. (Deutsche Lektüre; Bd. 35)

Deutsche Lesestoffe für čechische Schüler. Hrsg. S. Brána:

Diese Reihe erschien ab dem Jahr 1933 in der Staatlichen Verlagsanstalt Prag.

  • Brána, S. und Treutner, Erv.: Märchen und Erzählungen. Bilder von Fr. Doubrava. Prag. Staatliche Verlagsanstalt, 1933, Heft 1.

Deutsche Jugendbücherei:

Redig. von Dr. R. Schroubek und Dr. Fr. Longin. Band 1, 2, 3.

  • Band 1: Stifter, Adalbert: Bergkristall. Erzählung. 1934.
  • Band 2: Peter, Johann: Der Schelmenpeter. Ein Heimatbuch aus eigener Jugend für die Jugend. 1934.
  • Band 3: Jungbauer, Gustav: Deutsche Sagen aus der Tschechoslowakischen Republik. 1. Teil. Ges. und Hrsg. von Gustav Jungbauer. 1934.
  • Band 4: Der gehörnte Siegfried – Lohengrin. Bearb. v. Erw. Treutner und S. Brána. Bilder von V. Slavík. 1934.
  • Band 5: Quellen und Anmerkungen zu den Slavischen Sagen aus der Čechoslovakischen Republik von Edmund Schneeweis. Prag: Staatliche Verlagsanstalt, 1937. Deutsche Jugendbuecherei. [Bd. 5.] Beiheft)
  • Band 8: Nemcova, Bozena: Großmütterchen. Bilder aus dem Landleben. Übersetzt von Wilhelm Eben. Prag: Staatl.Vlgs.-Anst., 1936. 197 S.
  • Band 9: Ludwig, Otto: Der Erbförster.Trauerspiel in 5 Aufzügen. Textrevision von Dr. Richard Schroubek. 1937.
  • Band 10: Jungbauer, Gustav: Außereuropäische Märchen. 1937.
  • Band 11: Slavische Märchen aus der Čechoslovakischen Republik. Ausgewählt und herausgegeben von Edmund Schneeweis. Prag: Staatliche Verlagsanstalt, 1937. (Deutsche Jugendbücherei ; Bd. 11)
  • Band 12: Lamb, Ch. u. M.: Erzählungen aus Shakespeare. 10 heitere Erzählungen ausgewählt u.a.d. Englischen frei übertragen von Emil und Priska Popp. 1937.
  • Band 13: Riehl, W.H.: Der stumme Ratsherr. Novelle. 1938. Textrevision besorgt von Dr. Richard Schroubek.
  • Band 14: Rosenfeld, Fritz: Der Regenbogen führt nach Masagara. 1938.

Deutsche Dichter:

  • Keller, Gottfried: Die drei gerechten Kammacher. Hrsg. von Dr. Otmar Bohusch. 1937. (= Deutsche Dichter, Heft 3).
  • Grillparzer, Franz: Der Traum ein Leben. Dramatisches Märchen in 4 Aufzügen. Hrsg. von Dr. Otmar Bohusch. 1937 (= Deutsche Dichter, Heft 4, Lesehefte, Hrsg. mit Unterstützung des Reichsverbandes deutscher Mittelschulehrer.
  • Schneeweis, Dr. Edmund: Slawische Sagen aus der Cechoslovakischen Republik. Ausgewählt und herausgegeben von Dr. Edmund Schneeweis. Prag, Deutsche Jugendbücherei. Geleitet von Dr. Richard Schroubek und Dr. Franz Longin. Staatliche Verlagsanstalt in Prag; 1935. Band ??

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